Mittelstendorf
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Mittelstendorf in der Böhme-Zeitung.
Artikel
- Ein verlorener Schatz im Dorf der Mitte
- Polizei V
- Auch Tiere müssen sich an harte Winter wieder gewöhnen
- Wetterstation und Forstwirtschaft
- Solarpark im Dorf: „Für uns eine Katastrophe“
- 8 Dorfputz Mittelstendorf
- Luftgeschwader und weiße Fahnen: Wie Heidjer das Ende des Krieges erlebten BZ-Zeitzeugenberichte: Fünf Menschen aus dem Heidekreis erzählen von ihren persönlichen Erlebnissen im und nach dem Zweiten Weltkrieg – Sie erinnern sich an Luftangriffe, Plünderungen und Tage im Keller Nordkreis. Der Zweite Weltkrieg endete zwar vor 70 Jahren durch die bedingungslose Kapitulation, doch zuvor hatte Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg dem britischen Feldmarschall Bernhard Montgomery die Teilkapitulation in der Lüneburger Heide angeboten. Diese wurde am 4. Mai 1945 auf dem Timeloberg in der Nähe von Lüneburg unterzeichnet. Der Krieg im Heidekreis war allerdings noch früher zu Ende, denn in Rethem beispielsweise rückten die Briten am Vormittag des 12. April ein. Eine englische Panzerdivision auf dem Weg nach Hamburg umging am 16./17. April Soltau westlich über Leitzingen, Wiedingen und weiter über Vahlzen nach Norden. Am 18. April nahmen Einheiten dieser Division Neuenkirchen ein, andere rückten über Ahlften und Huckenrieth Richtung Höpenhof und OHE-Bahnstrecke bei Hambostel vor. Am 17. April marschierten die Briten von Willingen/Alm kommend gegen 19 Uhr über die Marktstraße in Soltau ein. Nachdem der erste Panzer in Höhe der Soltaubrücke abgeschossen war, erfolgte der weitere Vormarsch über den Rühberg bis zur Böhmelinie. Eine zweite Angriffsspitze näherte sich über die Celler Straße und erreichte gegen 21 Uhr die Kaserne an der Winsener Straße. An der Ostgrenze Soltaus, der sogenannten Kleinbahnlinie, wurde noch bis zum 22. April gekämpft, dabei wurden Oeningen und der Höpenhof vernichtet. Am 17. April standen englische Truppen kurz vor Schneverdingen. Am Morgen brachen englische Panzer aus Schülern heraus. Um 10.30 Uhr wurde Schneverdingen von Bürgermeister Heinrich Meyer übergeben. Am selben Tag rückte die Wehrmacht vom Flugplatz Reinsehlen ab. Der Flugplatz wurde gegen 14 Uhr den Engländern übergeben. Auch Munster wurde am 17. April kampflos von alliierten Truppen besetzt. Unterschlupf im Wald Gustav Isernhagen wurde 1937 in Soltau geboren. 1943 zog er mit seiner Mutter und der kleinen Schwester auf eine Landwirtschaftsstelle nach Mittelstendorf, wo die Drei mit einer unverheirateten Tante, der Großmutter und einem polnischen Zwangsarbeiter lebten. Vater und Onkel Isernhagens waren zu dieser Zeit als Soldaten im Kr ieg. Gustav Isernhagen lebt heute in Wietzend orf. Als die Engländer kamen, beluden wir die Pferde- und Ochsenwagen mit Bettzeug, und die Frauen kochten Essen für ein paar Tage, darunter ordentlich Pudding. Wir gingen mit den Nachbarn in ein Waldstück zwischen Mittelstendorf und Meinern, wo wir Gräben aushoben. Das war Mitte April. Es war damals sehr warmes, trockenes Wetter und wir schliefen draußen. Das war für mich, einen achtjährigen Jungen, der das mit all seinen Freunden erlebte, wie Räuber und Gendarme spielen. Das Waldstück, in dem wir waren, lag etwas höher als das Dorf. Von dort sahen wir, dass die Scheune und das Schweinehaus des Hofs Nottorf im Gefecht in Brand gesteckt worden waren. Es hatte wohl noch ein paar wilde deutsche Soldaten gegeben, die als die Engländer kamen, schossen. Mit Hilfe der Engländer konnte ein Bewohner des Hofs, der nicht mit uns in den Wald gegangen war, mit Eimern und Wasser das Haus so feucht halten, dass es stehen blieb. Die Schule aber brannte ab. Bis dahin waren wir eigentlich immer in der Schule, es sei denn sie fiel ein Tag wegen Fliegeralarm aus. Lange Zeit hatten wir vom Krieg fast gar nichts gemerkt. Außer, dass es mal kein richtiges Brot gab, man mit Maisbrot zufrieden sein musste und Sirup gekocht wurde, den wir auch nicht so gern mochten. Dass man das als Einschränkung sah, zeigt ja, wie gut es uns damals noch ging. Mal davon abgesehen, dass mein Vater nicht da war und auch der Bruder meiner Mutter Soldat war, hatte ich eine sehr behütete und unbeschwerte Kindheit. Unser Haus in Soltau hatten wir im Frühjahr 1943, als meine Schwester auf die Welt kam, verlassen und waren nach Mittelstendorf gezogen. Dort betrieb der Bruder meiner Mutter eine kleine Landwirtschaft. Die Frauen machten die Arbeit. Meine Mutter war eine sehr starke Frau, die eigentlich fast alle Männerarbeit erledigen konnte. Dennoch war es eine große Belastung, dass die Männer alle weg waren. Aber wir hatten einen Polen, Leo, der ein sehr geschickter junger Mann war. Er hatte, bevor er Soldat wurde, in Polen Maschinenbau studiert. Ich glaube, er hat sich bei uns in der Familie wohl gefühlt. Es war ja damals so, dass die Polen als sogenannte Zwangsarbeiter nicht mit den Deutschen, mit den Arbeitgebern, am Tisch essen durften. Selbstverständlich saß er ständig mit uns am Tisch. Für den Fall der Überprüfung hatte er sich einen kleinen Tisch gebaut, der stand in der Ecke. Das erste Mal Angst und Schrecken erlebten wir am 25. Februar, als in Jettebruch ein Munitionszug explodierte und die Granaten bis Mittelstendorf, also bis in unsere unmittelbare Nachbarschaft, flogen. Das war natürlich ein Schock. Dann kam der Bombenangriff auf Soltau, bei dem unser Haus Splitterschäden am Dach abbekam. Das war aber nicht so schlimm, das wurde dann schnell wieder repariert. Ein paar Bomben fielen auch auf Mittelstendorf. Es gibt ein Foto, das abbildet, wie ich als kleiner Steppke in einem solchen Bombentrichter stehe. Allein, dass man das als Besonderheit aufnahm und davon Fotos machte, zeigt schon: So nachhaltig war der Schrecken dann auch wieder nicht. Viele Flüchtlinge Gegen Kriegsende kamen die ersten Flüchtlinge aus dem Osten. Zu uns Fünf kamen im Laufe der Zeit 14 Flüchtlinge. Eine Familie aus Ostpreußen, eine Frau mit Tochter aus Pommern und eine Familie mit vier oder fünf Kindern aus dem Warthegau. Da war natürlich Integration gefragt. Aber das hat eigentlich in unserem Haus gut geklappt. Der eine Junge aus Ostpreußen war etwas älter als ich, und das dauerte gar nicht lange, da sprach er Plattdeutsch wie wir anderen gleichaltrigen Kinder. Das Schlimmste in dieser Zeit kam für uns erst, als der Krieg vorbei war. Als die Lager, zum Beispiel in Oerbke und Wolterdingen, geöffnet waren, begannen die nächtlichen Raubüberfälle. Im Gegensatz zu den Vorfällen bei den Nachbarn war das bei uns aber nicht so schlimm. Einmal haben sie den Keller ausgeräumt und haben das Eingemachte, Fleisch, Wurst, Schinken und so etwas mitgenommen. Davon hatten wir dann natürlich nichts mehr. Leo wurde Anfang Mai ins Lager nach Wolterdingen gebracht, von dort aus passierte der Rücktransport nach Polen. Er wanderte nachher nach Australien aus und pflegte noch lange lebhaften und freundlichen Briefkontakt mit meiner Tante. Das war ein gutes Verhältnis. Der Abschluss des Kriegs war für uns eigentlich, als sowohl mein Vater als auch der Bruder meiner Mutter schon früh aus dem Krieg zurückkamen. Wir sind dann wieder in unser Soltauer Haus gezogen und ab Herbst 1945 bin ich dann in der Mühlenstraße zur Schule gegangen. Marsch mit dem Tornister Heinz Hufenbach war 14 Jahre alt, als die Amerikaner in Trauen mit Panzern einfuhren. Dort lebte er mit seiner Mutter, der Tante, einer Cousine und einem Cousin. Die Familie des Bruders seines Vaters war zuvor aus Ostpreußen gekommen und hatte Zuflucht bei der Verwandtschaft gefunden. Bruder, Vater und Onkel waren zu dieser Zeit als Soldaten im Einsatz. Heinz Hufenbach lebt heute in Neuenkirchen. Die Straße, in der wir in Trauen wohnten, war die Grenze zum Truppenübungsplatz. Etwa 300 Meter entfernt war so eine Art Artilleriestützpunkt. Die ganzen Jahre vor dem Krieg haben dort schon Soldaten geübt und geballert, bei Tag und bei Nacht. Dann lagen die bei uns vorm Haus im Beet zwischen den Erbsen. Ich habe also meine ganze Kindheit mit Soldaten verlebt. Und während des Krieges, da war auf der anderen Seite der Faßberger Flugplatz. Auf dem Flugplatz standen hunderte Flugzeuge voll aufgetankt und beladen. Die Flugzeuge hatten sie rückwärts in den Wald gezogen. Von diesen ist aber nicht eines gestartet, die kamen gar nicht hoch. In der letzten Kriegszeit konnte man morgens beinahe die Uhr danach stellen, waren die Tiefflieger da und schossen in den Wald. Ruckzuck brannten 10, 12, 20 von den Flugzeugen auf. Der Flugplatz direkt ist aber nie angegriffen worden. Auch die Gegend drum herum nicht. Bomben fielen keine. Ich gehörte damals zur Fliegerjugend in Faßberg und etwa 14 Tage vor Kriegsende bekam ich den Stellungsbefehl. Meine Mutter und ich waren an diesem Tag in Borstel bei meinen Großeltern gewesen. Als wir zurückkamen, lag der Stellungsbefehl auf dem Küchentisch. Am anderen Morgen sind wir vom Gerdehaus in Faßberg losmarschiert. Das waren nur alles so Knirpse wie ich, 40 oder 50 Jungs, mit Tornister. Da hatte man seine Sachen drin: Putzzeug, und eine Decke darüber gespannt, mit einer Feldflasche an der Seite. Wo die mit uns hinwollten, haben wir nicht gewusst. Die wollten uns wegbringen, weil die Front näher kam. Als wir noch etwa anderthalb Kilometer von Unterlüß entfernt waren, war dort der Großangriff. Unterlüß wurde an dem Tag kaputtgeschmissen. Übernachtet haben wir in einem Schafstall. In dieser Nacht gab es eine Explosion, da sind wir richtig hochgeflogen. Da wurde etwa 1000 Meter entfernt eine Brücke gesprengt. Ich bin dann mit drei Jungs abgehauen. Wieder zurück. Als es hell wurde, hat uns unterwegs ein Offizier von der Wehrmacht angehalten und ein Stück mitgenommen. Am anderen Vormittag war ich wieder zu Hause in Trauen. Als ich bei uns ins Dorf kam, zogen Soldaten Gräben an der Brücke, die über die Örtze fließt. Panzersperren und so etwas. Das war ein paar Tage, bevor der Krieg für uns vorbei war. Sonst war nichts. Kurz bevor die Amerikaner kamen, verschanzte sich eine SS-Einheit in den Büschen gegenüber unserer Häuser. Aber ein Kriegsversehrter aus dem Dorf, der seinen einen Arm verloren hatte, sprach mit den Soldaten, und die zogen sich am Morgen schon in die Oerreler Forst zurück. Sonst hätte es wohl geknallt. Die Amerikaner kamen dann abends. Sie fuhren in zwei Reihen nebeneinander mit Hunderten Panzern über das Feld. Wir sind dann auch aus den Häusern raus und etwa einen Kilometer entfernt in die freie Natur. Die Häuser konnten wir ja nicht ausräumen, also nahmen wir nur etwas zu essen mit. Im Freien hielten wir uns so lange auf, bis die Panzer durch Trauen gefahren waren. Das hat nicht so lange gedauert, ein paar Stunden. Später wurde unser Haus beschlagnahmt. Erst von den Amerikanern, dann kamen die Kanadier. Während dieser Zeit wohnten wir auf dem Provinzialgut in Trauen und teilten uns zu fünft ein Zimmer. Morgens und abends ging ich nach Hause, um unsere Kuh zu melken. Dagegen hat keiner etwas gesagt. Die Amerikaner haben sich bei uns ordentlich verhalten, nur die Kanadier, die haben später alles mitgenommen und in die Panzer gestopft, da war kein Sofakissen mehr da. Kurz nach Kriegsende, als es so schlimm war mit den Räubereien, nachdem die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen freigekommen waren, hatten wir Glück. In Trauen gab es zwei Ukrainer, die arbeiteten in Munster in der Molkerei. An den Wochenenden oder wenn sie frei hatten, kamen die oft zu uns und halfen meinem Vater. Diese zwei Ukrainer waren später bei uns im Haus und haben keinen reingelassen, die haben uns mehr oder weniger bewacht. Ich weiß noch, dass einmal ein paar Serben mit Gewehren unter dem Mantel kamen, die haben sie nicht reingelassen. Als ein bisschen Ruhe eingekehrt war, ging ich in die Lehre nach Hermannsburg. Dort wurde ich zum Imker ausgebildet. In Trauen war ich nur noch selten. Im Sandkasten vom Luftangriff überrascht
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