Emotionen und persönliche Schicksale für greifbare Geschichte
Sonntagnachmittag im Camp Rheinseelen, die Spätsommersonne senkt sich über die weite Fläche. Durch das offene Bodenfenster des Saals dringt die Stimme von Tim Pröse, abgewechselt von melancholischen Geigenklängen. Fast könnten die friedliche Atmosphäre, die angenehme Erzählstimme des Journalisten und die Tatsache, dass der Saal mit nahezu 60 Zuhörern voll ist, über den Ernst des Themas beim dritten Besuch des Spiegel-Bestsellerautoren hinwegtäuschen: Es soll um den Fabrikanten Oskar Schindler gehen, der vor 80 Jahren 1200 Juden vor der Deportation in Konzentrationslager gerettet hatte. Doch vor der eigentlichen Lesung erzählt er Wahl-Münchener: von einigen der 18 Jahrhundertzeugen, nach denen das gleichnamige Buch benannt ist, von Jan Fedder, dessen Vita der letzte Besuch bei der veranstaltenden Kulturinitiative Schneverdingen im Biergarten gewidmet war, und von seinen mittlerweile 180 Lesungen an Schulen, um auch den Jugendlichen den „Geist des Widerstandes“ zu vermitteln.