Doppelspitze als Nachfolger von Klingbeil VON REINHARD VORVERK Bad Fallingbostel. „Ihr habt mich immer getragen, stets Geschlossenheit gezeigt. Ich konnte erfolgreich Politik machen, weil ich ein starkes Team hinter mir hatte.“ Mit dieser „Liebeserklärung“ an die Basis schloss Lars Klingbeil am Sonnabend beim Kreisparteitag in Bad Fallingbostel seine letzte Rede nach 14 Jahren als Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Heidekreis, für die er ungeteilte Zustimmung bei den anwesenden Genossinnen und Genossen erntete. Stehend mit langanhaltendem Applaus verabschiedeten sie Klingbeil, der sich in Berlin neben seinen Aufgaben als Bundestagsabgeordneter in den kommenden zwölf Monaten als Generalsekretär vor allem um die Organisation des Wahlkampfs für SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz kümmern soll, aus dem Amt. Als ihm wenig später seine beiden Nachfolger Aynur Colpan (Schwarmstedt) und Sebastian Zinke (Walsrode) das Abschiedspräsent überreichten und dessen Auswahl erklärten, waren, wenn, auch leise und nur ganz kurz, Missfallenskundgebungen zu hören. Vereinzelt sogar Buhrufe. Auslöser war aber kein politischer Streit, sondern Klingbeils fußballerische Ausrichtung. Der Munsteraner ist bekennender Fan des FC Bayern München und muss als solcher auch in Heimatgefilden mit Gegenwind rechnen. Neben seiner Liebe zum FC Bayern hat der Munsteraner in den zurückliegenden Monaten das Rennradfahren als weitere Passion für sich entdeckt. Deshalb erhielt er ein Trainingsdress in der roten Farbe und mit dem Emblem des „Mia-san-mia“-Vereins überreicht. Einheit durch Krankenhausdebatte gefährdet Ansonsten prägte demonstrative Einigkeit den Unterbezirksparteitag, dessen Motto an mehreren Stellen im Kursaal zu lesen war: „Den ganzen Heidekreis im Blick.“ Dessen Einheit sehen die Sozialdemokraten insbesondere durch die Krankenhausdebatte gefährdet. Sie verweisen darauf, dass sie einzig uneingeschränkt hinter dem Standort F4 südlich von Bad Fallingbostel stünden, während die anderen Parteien bei diesem Thema gespalten seien. Sowohl Klingbeil und später sein Nachfolger Zinke machten deutlich, dass die SPD-Kreistagsfraktion weiter geschlossen hinter der Kreistagsentscheidung pro F4 vom 26. Juni stehe. Nur mit einem leistungsstarken Klinikum als zentraler Anker in einem umfassenden Gesamtkonzepts könne eine qualitativ hochwertige Versorgung der Bevölkerung im Heidekreis sichergestellt werden, so ihre Botschaft. Es gehe bei der Standortfrage nicht um Walsrode, Soltau oder Dorfmark, sondern um den Heidekreis als Ganzes, meint Klingbeil. Die Krankenhausdebatte der zurückliegenden Monate habe gezeigt, dass „es Kräfte gibt, die 1977 (gemeint ist die Fusion der Landkreise Soltau und Fallingbostel – d. Red.) rückgängig machen wollen“, ergänzte Zinke. Gleichwohl würde man es sich zu einfach machen, damit allein damit die hohe Zahl von über 12 000 Unterstützerunterschriften für das Bürgerbegehren zu erklären, räumt der Chef der SPD-Kreistagsfraktion ein. Es gebe in weiten Teilen der Bevölkerung im nördlichen Teil des Kreisgebiets Vorbehalte, – nicht gegen ein neues HKK, sondern gegen den Standort F4 –, die nach Überzeugung der Sozialdemokraten in erster Linie auf Informationsdefizite zurückzuführen seien, für das sie vor allem Landrat Manfred Ostermann verantwortlich machen, weil er es schlecht kommuniziert habe. „Wir erwarten jetzt, dass der Landrat sich jeden Tag bemüht und für den Standort kämpft“, sprach Klingbeil Klartext. Doch allein darauf werde man sich nicht verlassen: Bis zu dem aller Voraussicht Anfang Januar 2021 stattfindenden Bürgerentscheid will auch die SPD nach Aussage ihres neuen Kreisvorsitzenden Informations- und Überzeugungsarbeit forcieren. Neben dem Werben für den HKK-Standort F4 waren personelle Veränderungen zentrales Thema des Parteitags. Ursprünglich sollte der Vorsitzendenwechsel und damit verbunden Einführung der Doppelspitze bereits im Frühjahr vollzogen werden. Dann machte die Pandemie auch hier einen Strich durch die Zeitrechnung. Das wurde jetzt mit einer durchchoreografierten, im Stil einer TV-Talkshow durchgeführten Kandidatenpräsentation nachgeholt. Der neue geschäftsführende Vorstand ist geschlechterparitätisch mit einer überwiegend jungen Mannschaft besetzt. Mit 22 Jahren der Benjamin ist der neue Schriftführer Birhat Kacar, ein gebürtiger Soltauer, der wie die Vorsitzende Aynur Colpan einen Migrationshintergrund hat. Dazu kommen „alte weiße Männer“, wie mehrfach in der Versammlung angemerkt wurde. Mit dieser personellen Zusammensetzung, die der gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte Rechnung trage, wolle man neue Mitglieder gewinnen. Dass da einiges aufzuholen ist, belegen die von Geschäftsführer Roland Güttler vorgelegten statistischen Daten. Hatte die Heidekreis-SPD Ende 2017 noch 866 Mitglieder, so waren es zwölf Monate später 845 und per 31. Dezember 2019 noch 829 – 555 Männer und 274 Frauen – überwiegend höheren Alters. Mit Abstand am stärksten ist die Gruppe 50plus vertreten: Knapp 75 Prozent der Genossinnen und Genossen haben den 50. Geburtstag schon hinter sich. SPD-Kreisparteitag wählt Aynur Colpan und Sebastian Zinke und bekräftigt Bekenntnis zum HKK-Standort F4 Zum Abschied Bayern-Trikot und Ansage an den Landrat
Ihr habt mich immer getragen, stets Geschlossenheit gezeigt. Ich konnte erfolgreich Politik machen, weil ich ein starkes Team hinter mir hatte. Mit dieser Liebeserklärung an die Basis schloss Lars Klingbeil am Sonnabend beim Kreisparteitag in Bad Fallingbostel seine letzte Rede nach 14 Jahren als Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Heidekreis, für die er ungeteilte Zustimmung bei den anwesenden Genossinnen und Genossen erntete. Stehend mit langanhaltendem Applaus verabschiedeten sie Klingbeil, der sich in Berlin neben seinen Aufgaben als Bundestagsabgeordneter in den kommenden zwölf Monaten als Generalsekretär vor allem um die Organisation des Wahlkampfs für SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz kümmern soll, aus dem Amt.