Mimen leugnen, lügen, lästern und lamentieren

Wahrhaftig, sollte dies nicht die Hölle sein, so macht ihr sie dazu! , klagt Hamlet (beeindruckend intensiv: Jana Maier) die düsteren Gestalten an, in deren Kreis er von dem mysteriösen Autor (souverän die Bühne beherrschend: Nele Storbeck) hineingestoßen wird. Jüngst wurde Bühne des Munsteraner Gymnasiums zum rot-schwarzen Inferno, in dem bleiche Totenmasken die schlimmsten Schurken aus Shakespeares Werk repräsentieren: Richard III (beängstigend böse: Merlin Albrecht), Lady Macbeth (großartig arrogant: Joy Eggers), Hamlets Mutter Gertrud (Fenya Kastrau), Othellos Vertrauter Iago (Lara Varis überzeugend in ihrer ersten Hauptrolle), König Lears Tochter Goneril (Paula Schwenke) und Hamlet selbst sind sich keiner Schuld bewusst; sie leugnen, lügen, lästern und lamentieren, bis der Autor sie mit einem Federstrich in die Schranken weist. Im mystischen Nebel der Schattendialoge werden sie an ihre Missetaten erinnert, dort halten ihnen Macbeth/Othello (Christian Fritz in einer Doppelrolle), Ophelia (Luise Jacobi), Richards Schatten (Annika Rudat) und Gonerils Schwestern Regan (Leonie Schenk) und Cordelia (Lilli Marquardt) den Spiegel ihres Gewissens vor.

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