Ein Klassiker als rauschendes Spektakel

Einen Klassiker der Weltliteratur zu verfilmen, an dem sich schon zahlreiche Regisseure versucht haben, erfordert Mut und vor allem sehr ausgefallene Ideen. Joe Wright hat es mit Anna Karenina gewagt und die Geschichte um Liebe, Moral, Ehebruch und die zaristische Gesellschaft größtenteils auf eine Bühne verlegt, auf der die Kulissen hin- und hergeschoben werden und die Menschen als Marionetten agieren. Regisseur Joe Wright lässt sein 130-minütigen Epos als Musical beginnen: In einer riesigen Schreibstube sitzen Angestellte in Reih und Glied an kleinen Tischen und stempeln im Takt und mit übertriebenen Gesten Briefe ab hindurch tänzelt Fürst Stepan Oblonskij (Matthew Macfadyen), Anna Kareninas Bruder und Figur der einen von drei Ehen, in denen es in Leo Tolstois Klassiker geht. Denn Oblonskij ist ein notorischer Schürzenjäger, was seine Frau Dolly (Kelly Macdonald) nur schwer ertragen kann.

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