Kopie von Louise Otto_Familien
Wenn zwei Menschen sich vereinigen, um zusammen durch's Leben zu gehen und eine Familie zu bilden, so sollten sie sich auch den ganzen Ernst dieses Schrittes vergegenwärtigen und zwar nicht erst im letzten Moment am Tag vor der Hochzeit oder in der Kirche bei der Trauung, sondern lange vorher. Für die Knaben wird und muß immer Rath geschafft werden, sie zum Weg durch's Leben vorzubereiten für die Mädchen macht man sich keine Sorgen, die überläßt man ihrem Schicksal! Oder wenn es die Mittel erlauben, so thut man sie vielleicht auch ein Jahr nach der Confirmation in ein Institut, in dem sie oft nur lernen sich in hohlen Formen zu bewegen und neben reicheren Genossinnen Ansprüche zu machen, die weit über ihre Verhältnisse hinausgehen. Man läßt sie vielleicht, sei es in oder außer dem Institute, Sprachen, Musik und Zeichnen lehren, aber Alles nicht gründlich, sondern nur, um auch durch den untergeordnetsten Dilettantismus sich den Anstrich[36] der Bildung zu geben, um damit sich das Leben zu verschönern, die Zeit zu vertreiben im besten Falle.